Der achtgliedrige Pfad nach Patanjali beschreibt einen Weg, der sowohl unser Handeln in der Welt als auch die Beziehung zu uns selbst umfasst. Die Yamas richten den Blick nach außen. Sie beschreiben ethische Grundlagen im Miteinander. Wie Ahimsa, die Haltung der Gewaltlosigkeit oder Satya, die Ausrichtung auf Wahrhaftigkeit.
Die Niyamas führen nach innen. Sie laden uns ein, die eigene Haltung zu erkunden, bewusster wahrzunehmen, wie wir mit uns selbst in Beziehung sind.
Mit Santosha wenden wir uns einer dieser inneren Qualitäten zu. Zufriedenheit verschiebt sich leicht. In die Zukunft, wenn sich erst etwas erfüllen, wenn sich etwas verändern soll. Vielfach auch in die Vergangenheit, zu Momenten, die sich stimmig angefühlt haben.
Und so entsteht das Gefühl: Das, was jetzt ist, genügt nicht.
Santosha weist als Kompass in eine andere Richtung. Kein Festhalten an dem, was angenehm ist. Kein Wegschieben von dem, was sich schwer anfühlt. Sondern ein wirkliches Wahrnehmen dessen, was da ist. Was kommt, willkommen heißen. Was geht, gehen lassen. Ohne Bewertung.
In dieser Innenschau, in diesem Gewahrsein, entsteht etwas, das nicht von äußeren Umständen abhängt. Eine radikale Schlichtheit, ohne Hüllen.
Eine Stille. Die schon da ist, bevor wir sie suchen.
Im Patanjali Yoga Sutra findet sich folgender Text:
„Samtosad anuttamah sukhalabhah.”
Aufgrund der inneren Ruhe erlangt man unübertreffliche Freude (Zufriedenheit).
(Yoga Sutra II.42)
Das ist kein Versprechen für später oder eine Rückschau. Es ist eine Beschreibung von dem, was entsteht, wenn wir aufhören, das Glück irgendwo anders zu suchen als in der Gegenwart. Nicht morgen oder im nächsten Moment. Sondern bleiben. In dem, was jetzt ist. Das ist die Erfahrung, auf die uns die Yogapraxis immer wieder hinweist:
Dass im Sein bereits eine Form von Fülle liegt. Unabhängig davon wie wir in die Bewertung treten.
Wenn du diese Haltung vertiefen möchtest, findest du in den Downloads Reflexionsfragen zu Santosha – Impulse, die dich im Alltag begleiten können.
Und wenn du noch weiter in die Yoga-Philosophie eintauchen möchtest, empfehle ich dir „Patanjali- Die Wurzeln des Yoga” übersetzt von Bettina Bäumer. Vielleicht magst du noch in den Blogartikel über Svadhyaya schauen, dort stelle ich dir weitere Literatur zur Yogaphilosophie vor.
Namasté, Melanie
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